5000 bis 10000 Euro passiv im Monat?
Warum dein Instagram-Feed dich anlügt
Herzlichen Glückwunsch! Wenn du diesen Artikel liest, hast du vermutlich gerade Instagram, TikTok oder YouTube geschlossen. Und lass mich raten: Du wurdest dort von einem 22-Jährigen in einem schlecht sitzenden Anzug angebrüllt. Er stand vor einem gemieteten Lamborghini (oder wahlweise am Strand von Dubai) und hat dir versprochen, dass du „das Hamsterrad verlassen“ musst.
Alles, was du dafür tun musst? Ihm zuhören. Und ihm bestenfalls Geld überweisen.
Das Versprechen vom passiven Einkommen von 5.000 bis 10.000 Euro im Monat ist zur Seuche der sozialen Medien geworden. Es ist das digitale Äquivalent zum Hütchenspieler am Bahnhof – nur dass der Hütchenspieler wenigstens nicht so tut, als wäre er dein Business-Mentor.
Die Anatomie des „Komm in die Gruppe“-Schwindels
Wir kennen sie alle. Die Anzeigen sind so subtil wie ein Vorschlaghammer. Die Narrative sind immer gleich:
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Der Leidensdruck: „Bist du es leid, für den Traum deines Chefs zu arbeiten?“
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Die magische Lösung: „Ich habe ein System entdeckt, das niemand kennt.“ (Spoiler: Jeder kennt es, und es ist meistens illegal oder Schwachsinn).
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Der Beweis: Ein Screenshot von einem Stripe-Dashboard oder einem Bankkonto. Photoshop lässt grüßen.
Es ist faszinierend und traurig zugleich. Diese Gurus verkaufen dir keine Produkte, sie verkaufen dir die Idee, dass Arbeit optional ist. Sie suggerieren, dass Reichtum nur eine Frage des „Mindsets“ ist. Wenn du also pleite bist, hast du einfach nicht fest genug daran geglaubt – oder nicht den Premium-Kurs für 2.999 Euro gekauft.
Das Geschäftsmodell: Die „Coach-Coaching“-Pyramide
Was steckt wirklich dahinter? Oft handelt es sich um moderne Schneeballsysteme oder extrem riskante Geschäftsmodelle, die als „sichere Bank“ verkauft werden.
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Das „High-Ticket-Closing“: Du verkaufst anderen Leuten teure Kurse darüber, wie man teure Kurse verkauft. Ein Perpetuum Mobile der Nutzlosigkeit.
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Copy-Paste Dropshipping: Dir wird suggeriert, du könntest billigen Plastikmüll aus China mit 500% Marge verkaufen. Was sie dir verschweigen: Du brauchst tausende Euro Werbebudget, hast Ärger mit dem Zoll und konkurrierst mit Millionen anderen Glücksrittern.
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Krypto-Signale & Trading-Bots: „Lass den Algorithmus für dich arbeiten.“ Meistens arbeitet der Algorithmus nur daran, dein Konto auf Null zu setzen.
Warum „Passiv“ eine Lüge ist
Lass uns kurz ernst werden. Gibt es passives Einkommen? Ja. Ist es so einfach, wie Porsche-Justus es dir erzählt? Nein.
Echtes passives Einkommen (Dividenden, Mieteinnahmen, Tantiemen) setzt eines voraus: Massives Kapital oder massive Vorarbeit. Um 5.000 Euro netto passiv im Monat zu erhalten, bräuchtest du bei einer optimistischen Rendite von 4% ein Anlagevermögen von ca. 1,5 Millionen Euro (vor Steuern sogar noch mehr).
Die Jungs im Internet behaupten aber, du kannst ohne Startkapital und ohne Vorkenntnisse starten. Das ist keine Übertreibung, das ist mathematischer Unsinn.
Merke: Wenn jemand eine „Geld-Druck-Maschine“ erfunden hat, wird er sie nicht für 49 Euro in einem Webinar an Fremde verkaufen. Er würde sie selbst nutzen und den Mund halten.
Woran du den Betrug erkennst (Red Flags)
Bevor du deine Kreditkarte zückst, achte auf diese Warnsignale. Sie sind so rot, sie leuchten im Dunkeln:
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Dringlichkeit: „Dieser Zugang ist nur noch 10 Minuten verfügbar!“ (Lade die Seite neu, der Timer startet von vorne. Magie!)
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Garantierte Renditen: Niemand, absolut niemand, kann dir Gewinne an der Börse oder im Business garantieren. Wer das tut, lügt.
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Geheimniskrämerei: Wenn du erst bezahlen musst, um zu erfahren, was das Geschäftsmodell überhaupt ist („Das System“), renn weg.
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Der Lifestyle-Fokus: Echte Unternehmer zeigen dir Bilanzen, Prozesse oder Produkte. Scammer zeigen dir Uhren, Autos und Palmen.
Fazit: Behalte dein Geld
Der Traum vom schnellen Reichtum ist so alt wie die Menschheit. Das Internet hat nur die Reichweite der Scharlatane vergrößert. Die Wahrheit ist langweilig: 5.000 bis 10.000 Euro im Monat verdient man durch harte Arbeit, den Aufbau echter Skills, Geduld und unternehmerisches Risiko.
Investiere in dich selbst, lies Bücher, lerne echtes Handwerk oder Programmieren. Aber bitte, tu mir einen Gefallen: Ignoriere den Typen mit der gemieteten Rolex. Er braucht dein Geld nämlich dringender als du seins.